Abgelegt unter: Reviews | Schlagwörter: Amy Adams, Benjamin McKenzie, Embeth Davidtz, Phil Morrison


Oft spielt es eine nicht unerhebliche Rolle, unter welchen Umständen es dazu kommt, dass man einen Film sieht. Phil Morrisons Junebug erreichte mich in einem Umschlag, den Miriam mir per Post zusandte. Obwohl ich bisher überhaupt nichts über den Film wusste, ging ich natürlich sofort davon aus, dass er ihr viel bedeuten würde. Ich ließ mich also auf das Unbekannte ein und sah mir den Überraschungsfilm an …
Und was soll ich sagen; Junebug ist ein wirklich schöner, kleiner Film. Er erzählt eine Geschichte, die sicherlich viele – und ich selbst sehe mich als Teil dieser Menschengruppe – so oder so ähnlich bereits erlebt haben dürften: Die Kunsthändlerin Madeleine wird der verschrobenen Familie ihres Mannes George vorgestellt und stößt dabei nicht nur auf Vorurteile und Ablehnung, sondern lässt außerdem viele der Probleme, die in der Familie totgeschwiegen werden, deutlich werden. Was also grob umrissen wie die Prämisse einer stupiden Hollywood-Komödie klingen könnte, wird in dem realistischen Independentfilm zum wunderbar subtilen Drama.
Vielleicht ging es nur mir so, aber viele der in Junebug dargestellten Situation ließen mich an eigene Erfahrungen zurückdenken: Ob nun der Wunsch, den Eltern seiner Partnerin zu gefallen oder die Ablehnung, auf die man bei ihren Eltern stoßen kann – einer der interessantesten Aspekte des Films lag für mich darin, dass es mir leicht fiel, einen Bezug zum Erzählten herzustellen.
Doch was Junebug abgesehen von dieser Qualität besonders sehenswert macht, sind die hervorragend herausgearbeiteten Charaktere: Die ehrgeizige, liebenswürdige Madeleine, Georges überbehütende, vorurteilsbehaftete Mutter Peg, sein ruhiger, zurückhaltender Vater Eugene, sein unfreundlicher Bruder Johnny und dessen schwangere Frau Ashley, die glaubt, ihren Mann durch das Baby enger an sich zu binden – alle Figuren erfahren eine angemessene Aufmerksamkeit und werden darüber hinaus von fähigen Darstellern verkörpert. Einzig George, Madeleines Mann, wird im Verlauf des Films in den Hintergrund verdrängt, was seine Motivationen insbesondere gegen Ende des Films etwas undurchschaubar werden lässt. Dabei gestaltete sich auch seine Geschichte als besonders interessant für mich; war es doch die eines nach längerer Zeit heimkehrenden Sohnes. Schade.
Schauspielerisch beeindruckte mich besonders Benjamin McKenzie, der in den anderthalb Stunden als introvertierter Johnny mehr Können zur Schau stellen durfte, als in allen 92 Episoden von O.C. California zusammengenommen. Johnny ist ein tief unglücklicher, düsterer Charakter, dem leider die Fähigkeit fehlt, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Diese Unzulänglichkeit ist es, die ihn immer wieder mit allen anderen Figuren zusammenstoßen lässt.
Filmisch setzt Regisseur Morrison in seinem Werk auf eine sehr ruhige Bildsprache, die zuweilen fast an Standbilder erinnert. Immer wieder werden unbewegte Naturbilder zwischengeschnitten. Befinden sich Charaktere im Bildausschnitt, bewegen diese sich kaum. Dadurch wird vor allem eines erreicht: Der Betrachter nimmt die Kamera nicht wahr und akzeptiert das Dargestellte somit als realitätsnah.
Es fällt mir schwer, mehr über einen Film wie Junebug zu sagen. Es ist ein Film, der weniger durch zu entschlüsselnde Motive oder Philosophien fasziniert, sondern eher durch die Darstellung des Alltäglichen und Bekannten. Junebug lässt den Betrachter das wohl dramatischste und spannendste aller Abenteuer erkennen: Das Leben selbst.
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Kommt bald …
Abgelegt unter: Reviews | Schlagwörter: Jude Law, Natalie Portman, Norah Jones, Rachel Weisz, Wong Kar Wai


Ich versuche mich, wie immer, etwas kürzer zu fassen als mein hochgeschätzter Kollege und sage: My Blueberry Nights stinkt.
Ich bin zwar an und für sich keine sehr romantische Person, aber ich habe durchaus etwas für gut erzählte Lovestorys übrig. Nein, das stimmt gar nicht, manchmal hab ich sogar etwas für total platte Darstellungen von zwischenmenschlichen Beziehungen übrig (ein Beispiel bleibe ich hier aber schuldig, ich will damit einfach nur sagen, dass ich mich nicht als übertrieben anspruchsvollen Filmfreund bezeichnen würde). Wie dem auch sei, was einem in My Blueberry Nights serviert wird, ist einfach nur öde, kitschig und unrealistisch. Und dabei nicht wirklich unterhaltsam.
Zu Anfang glaubt man, dass sich etwas entwickelt zwischen Norah Jones und Jude Law, dann haut Norah Jones jedoch ab, und trifft auf ihrem aufregenden (?) Weg zu sich selbst (?) diverse Menschen, die ihr Leben berühren. Sie lernt daraus so essentielle Weisheiten wie: Es ist gar nicht so toll, wenn man gefühlskalt ist. Was für eine Erkenntnis. Von ihren Erlebnissen berichtet sie dem in New York zurück gebliebenem Jude Law per Postkarten und irgendwann kommt sie zurück und ist erwachsen geworden und alles ist toll. Würgkotz.
Rachel Weisz, Ehefrau von Darren Aronofsky, und von mir eigentlich sehr geschätzte Schauspielerin weiß in einer Nebenrolle genauso wenig zu überzeugen wie Natalie Portman. Portmans Part im Film ist wohl mit Abstand der überflüssigste.
Also … lieber nicht gucken. Da gibt es wesentlich schönere Dinge, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann. Schlafen zum Beispiel, aber das hätte ich z.B. auch während des Films gut gekonnt.
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Jeder, der mich etwas besser kennt, weiß, dass ich die Abneigung vieler Geschlechtsgenossen gegenüber Liebesfilmen absolut nicht teile. Einige meiner Lieblingsfilme – wie Richard Linklaters Before Sunrise und Before Sunset, Rob Reiners When Harry Met Sally … oder Mark Waters’ Just Like Heaven – gehören genau diesem Genre an. Doch was Wong Kar Wai da mit My Blueberry Nights auftischt, ist ein widerlich süßes Stückchen Film, das sich, durch viel zu viele Pseudo-Philosophien und ästhetische Fehlgriffe angereichert, nur schwer verdauen lässt. (Okay, ich werde versuchen, auf die Metaphern zu verzichten.)
Der Film gibt vor, uns die Geschichte von Elizabeth und Jeremy (Norah Jones und Jude Law) zu erzählen, die sich, nachdem sie von ihrem Freund verlassen wurde, in seinem Café kennenlernen. Doch der Film scheint sich nicht ganz sicher zu sein, was genau er eigentlich erzählen will und präsentiert uns deshalb die viel interessantere Geschichte des trinkenden Polizisten Arnie (David Strathairn), der seiner Frau Sue Lynne (Rachel Weisz) nachtrauert, da die ihn vor mehreren Jahren verlassen hat. Später wird dann außerdem noch die Geschichte von Leslie (Natalie Portman) dazugequetscht, die so uninteressant und an den Haaren herbeigezogen ist, dass sie selbst für eine kurze Zusammenfassung zu trivial erscheint. Rein schauspielerisch überzeugte übrigens David Strathairn am meisten, der eine unglaubliche Tiefe in die wenigen Szenen bringt, die im vergönnt sind.
Rückblickend wird mir klar, wie symptomatisch bereits die ersten Minuten des Films für den Rest sind: Schon nach wenigen Augenblicken fühlt sich Wong Kar Wai verpflichtet, uns den Filmtitel in einer unglaublich zuckersüßen Szene zu erklären. Wie bei fast allem in My Blueberry Nights hat man dabei das seltsame Gefühl, dass alles einfach zu gut zusammenpasst. Mehr als einmal überschreitet der Filmemacher dadurch die Grenze des akzeptablen Kitsches.
Doch besonders ästhetisch weiß der Film zu irritieren: Wer glaubt, dass es sich oben um ein Standbild aus dem Film handelt, der irrt – es ist eine mit doppelter Geschwindigkeit ablaufende Wiedergabe des original Filmmaterials! Nein, Spaß beiseite: Eines der fragwürdigsten und zermürbendsten Stilmittel, das in My Blueberry Nights zum Einsatz kommt, ist tatsächlich eine schwindelig machende Zeitlupe, deren Ruckeln fast jede zweite Einstellung hervorzuheben versucht. Warum darauf nicht verzichtet werden konnte, ist mir ein Rätsel. Oh, und wenn in My Blueberry Nights mal nicht die Bilder in Zeitlupe ablaufen, dann sind es die Dialoge! Am exemplarischsten ist dabei eine Einstellung der sonst eigentlich fähigen Rachel Weisz, die durch unpassendes Underacting, schlechtes Timing und unpointierten Dialog jegliche Dramatik aus einer Szene saugt und sie somit auf eine gefühlte Länge von zähen zwanzig Minuten ausdünnt.
Fragwürdig erscheint allerdings auch die Art der Kameraführung, die niemals dazu einlädt, den Charakteren näher zu kommen. Durchgehend erleben wir das Geschehen wie aus einem Versteck durch Scheiben hindurch und an Hindernisse im Bild vorbei. Dies führt dazu, dass dem Dargestellten zumeist das Unmittelbare fehlt.
Aber abgesehen davon ist das Problem von My Blueberry Nights, dass es durch unangebracht viele Erklärungen in den Off-Kommentaren der Hauptprotagonisten versucht, ein paar unglaublich seichte Lebensphilosophien rüberzubringen. Als hätte Regisseur Wong Kar Wai Angst, wir würden etwas verpassen oder nicht verstehen, lässt er seine Charaktere jeden Schritt ihrer Entwicklung mithilfe einfallsloser Metaphern noch einmal genau erklären.
Ein weiteres Problem in der Prämisse des Films liegt darin begründet, dass anfangs viel zu wenig Zeit darauf verwendet wird, die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren zu etablieren, sodass es später etwas schwerfällt, die Liebesgefühle, die zwischen beiden entstanden sein sollen, als natürlich zu akzeptieren. Die Idee mag wohl gewesen sein, dem Zuschauer den Briefkontakt als Kennenlernen und Näherkommen zu verkaufen. Als sich die beiden am Ende des Films küssen, mag dies in so mancher Hinsicht nicht einer gewissen Romantik entbehren. Realistisch wirkt es allerdings nicht im Mindesten. Das Ergebnis ist ein Film, in dem man das Gefühl nicht loswird, dass einfach ein paar Zufälle zu viel passieren und alle Ereignisse etwas zu perfekt zusammenpassen.
Ich versuche mich, wie immer, etwas kürzer zu fassen als mein hochgeschätzter Kollege und sage: My Blueberry Nights stinkt.
Ich bin zwar an und für sich keine sehr romantische Person, aber ich habe durchaus etwas für gut erzählte Lovestorys übrig. Nein, das stimmt gar nicht, manchmal hab ich sogar etwas für total platte Darstellungen von zwischenmenschlichen Beziehungen übrig (ein Beispiel bleibe ich hier aber schuldig, ich will damit einfach nur sagen, dass ich mich nicht als übertrieben anspruchsvollen Filmfreund bezeichnen würde). Wie dem auch sei, was einem in My Blueberry Nights serviert wird, ist einfach nur öde, kitschig und unrealistisch. Und dabei nicht wirklich unterhaltsam.
Zu Anfang glaubt man, dass sich etwas entwickelt zwischen Norah Jones und Jude Law, dann haut Norah Jones jedoch ab, und trifft auf ihrem aufregenden (?) Weg zu sich selbst (?) diverse Menschen, die ihr Leben berühren. Sie lernt daraus so essentielle Weisheiten wie: Es ist gar nicht so toll, wenn man gefühlskalt ist. Was für eine Erkenntnis. Von ihren Erlebnissen berichtet sie dem in New York zurück gebliebenem Jude Law per Postkarten und irgendwann kommt sie zurück und ist erwachsen geworden und alles ist toll. Würgkotz.
Rachel Weisz, Ehefrau von Darren Aronofsky, und von mir eigentlich sehr geschätzte Schauspielerin weiß in einer Nebenrolle genauso wenig zu überzeugen wie Natalie Portman. Portmans Part im Film ist wohl mit Abstand der überflüssigste.
Also … lieber nicht gucken. Da gibt es wesentlich schönere Dinge, mit denen man sich die Zeit vertreiben kann. Schlafen zum Beispiel, aber das hätte ich z.B. auch während des Films gut gekonnt.
Abgelegt unter: Reviews | Schlagwörter: Clint Mansell, Darren Aronofsy, Jared Leto, Jennifer Connelly

Wow, während WALL•E eher dem filmischen Äquivalent einer liebevollen Streicheleinheit gleicht, die den Zuschauer daran erinnert, dass es Hoffnung gibt und die Liebe alles bewegen kann, ist Darren Aronofskys Requiem for a Dream sozusagen der cineastische Tritt in den Unterbauch, der den Betrachter mit einer verstörten Sicht auf die Welt zurücklässt. Natürlich wäre es ziemlich naiv, anzunehmen, dass ein Film über Drogenabhängige dazu führt, dass man lebensbejahend in die Luft springt. Aber dermaßen mies hab’ ich mich nach einem Film nur selten gefühlt.
Requiem for a Dream erzählt die Geschichte von Harry, Tyrone, Marion und Sara, die allesamt von der einen oder anderen Droge abhängig sind und damit langsam aber sicher ihr Leben zerstören. Während Harry und Tyrone versuchen, ihre Heroinabhängigkeit damit zu unterstützen, dass sie selbst Drogen verkaufen, strebt Harrys Freundin Marion danach, sich als Designerin selbstständig zu machen. Doch auch ihr steht dabei das Heroin im Weg. Zeitgleich beobachten wir Harrys Mutter Sara, die zunächst vom Fernsehen und später von Diätpillen abhängig ist. Der Titel des Films stellt die Motivation der Protagonisten, sich ihren jeweiligen Drogen hinzugeben, unmissverständlich heraus: Alle tragen sie unerfüllte Träume mit sich herum, deren Erfüllung für den Beobachter oft realisierbar scheint, für die Charaktere jedoch immer dann erneut in ungreifbare Ferne rückt, wenn sie sich den Drogen hingeben.
So sehr mich der Film auch fesselte, muss ich doch gestehen, dass mich der unglaublich eindringlich dargestellte Abstieg der Mutter sehr viel mehr interessierte, als die Erlebnisse der heroinabhängigen Jugendlichen, die wir im Parallelschnitt erleben. Ich denke das liegt zu einem erheblichen Ausmaß daran, dass es mir eher schwer fällt, Schönlingen wie Jared Leto und Jennifer Connelly die Abhängigkeit als realistisch abzunehmen. Und damit möchte ich keineswegs andeuten, dass die Drogensucht in der Realität nur die weniger Attraktiven trifft, nein. Ich möchte nur ehrlich sein und anmerken, dass mich dieser Umstand eher irritierte. (Obwohl ich auch zugeben muss, dass ich angewidert schluckte, als ich Marion bei einigen ihrer Erlebnisse beobachten musste.)
Musikalisch setzt der Score anfangs hauptsächlich auf elektronische Beats, die die Drogeneskapaden der Protagonisten vertonen. Durch ähnliche Filme fast zum Klischee verkehrt, funktionierte diese Kombination zufriedenstellend. Clint Mansells weinendes Violinenthema tut später im Film sein übriges, um dem Gezeigten den nötigen Tiefgang zu verleihen. Wie schön, dass Aronofsky ihm später bei The Fountain gleich noch mehr Raum für seine emotional geladenen Kompositionen gibt!
Jedes Review dieses Films wäre allerdings unvollständig, würde man nicht auf die unkonventionelle filmische Sprache des Darren Aronofsky hinweisen. Konsequent knüpft er hier an die für Pi entwickelte Bildsprache der hochfrequentierten Schnitte, aufdringlichen Kameraperspektiven und Zeitrafferaufnahmen an. (Nur gut, dass er später bei The Fountain den Fast Forward-Schalter offensichtlich nicht wiederfand.) Besonders einfallsreich erscheint die Verwendung des Splitscreens, die einen in vielen Sequenzen erlaubt, das Dargestellte mit erhöhter Sinneswahrnehmung zu erleben. Am treffendsten kommt dies bei einer sehr intimen und ruhigen Liebesszene zwischen den Hauptdarstellern zur Geltung. In Requiem for a Dream wird rein filmisch allerdings kaum zwischen Traumseuqenz und naturalistischer Darstellung unterschieden – beide Welten werden durchgehend überspitzt und wie im Vollrausch präsentiert.
Am meisten beeindruckt haben mich besonders zwei Sequenzen: Als Sara letztendlich den Höhepunkt ihrer Abhängigkeit erreicht, geschieht dies in einer wunderbar surrealen Bildfolge, in der die Realität um sie herum förmlich auseinander bricht. Und dann ist da die letzte Sequenz, in der kulminierend alle Schicksale ihr Ende finden. Mithilfe eindringlicher, immer schneller werdender Schnitte sind wir fast zu dicht am Erlebten. Nur der errettende Schnitt zum Abspann hält davon ab, sich angewidert vom Film abzuwenden. Widerfährt den Charakteren aus Requiem for a Dream Errettung? Der Film scheint deutlich machen zu wollen, dass es die in dieser Welt nicht gibt – für keinen.
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Ein ungewöhnlich großer Schritt von WALL•E – Der Letzte räumt die Erde auf zu Requiem for a Dream – aber es liegt ja auch ein ungewöhnlich großer Zeitraum dazwischen, also wird es wohl okay sein.
Entschuldigend muss ich sagen, dass Michaels Rezension vor meiner vorlag, und ich sie gelesen habe, bevor ich meine eigene verfasst habe. Ich hoffe trotzdem, dass ich nicht zu sehr davon beeinflusst bin. Da Michael den Plot bereits sehr gut wiedergegeben hat, muss ich dazu wohl nichts mehr sagen.
Ich hab mir den Film damals zugelegt, weil mich Pi sehr beeindruckt hat und ich natürlich wissen wollte, was Regisseur Darren Aronofsky in seinen anderen Werken vollbracht hat. Dass Requiem for a Dream mich noch verstörter zurücklässt als Pi, konnte ich da ja noch nicht ahnen.
Der Film ist schrecklich!
Ja, richtig, Drogenabhängigkeit ist ein Thema, das nichts mit der fluffigen Moral von Disney zu tun hat. Während des ganzen Films hatte ich ein flaues Gefühl in der Magengegend und war entsetzt über den Absturz der Protagonisten. Besonders der Verfall von Harrys Mutter Sara ist überzeugend und deshalb besonders erschreckend dargestellt. Hat Ellen Burstyn für ihre Darstellung eigentlich einen Preis bekommen? Verdient hätte sie ihn auf jeden Fall!
Wenn ich über die Schauspieler spreche, muss ich aber gleich auch zum Wermutstropfen von Requiem for a Dream kommen: Mir persönlich haben die anderen Hauptdarsteller nicht gefallen. Das liegt weniger an deren Attraktivität als an … vielleicht ihrer Popularität. Irgendwie hat das nicht zusammengepasst. Unseriös wirkte vor allem Tyrone, der von Marlon Wayans gespielt wurde. Wer Scary Movie gesehen hat, kann vielleicht nachvollziehen, warum ich ihn nicht ernst nehmen konnte. Außerdem ist da auch noch Jared Leto, der nicht nur Schauspieler, sondern auch noch Sänger der Band 30 Seconds to Mars ist, die man wohl recht gut in die Emo-Kiddie-Schublade stecken kann. An sich ist das nichts Schlimmes, aber mich hat es gestört. Ich kann es gar nicht logisch erklären, aber die Darsteller fühlten sich eben irgendwie nicht richtig an.
Wenn man aber darüber hinweg sieht, so muss man doch ohne weiteres zugeben, dass Requiem for a Dream ein großartiger Film ist. So schrecklich und abstoßend er sein mag, er ist in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein. Sicher ist er nicht geeignet für nette laue Filmabende, aber gesehen haben sollte man ihn.


Eeeeendlich mal wieder im Kino gewesen. Pünktlich zum Start: WALL•E – Der Letzte räumt die Erde auf.
Wieder mal ein Film, an den ich falsche Erwartungen gestellt habe. Ich mein, hey, es ist ein Pixar-Film und wer Findet Nemo oder Die Unglaublichen gesehen hat, weiß, was man eigentlich von Pixar-Filmen zu erwarten hat: Gags am laufenden Band. Bei WALL•E war das zwar auch so, ABER das ganze hatte doch einen ganz schön ernsten Hintergrund, so dass einem ab und zu das Lachen im Halse stecken blieb.
Die Erde ist ein einziger Müllhaufen und die Bewohner, vor hunderten von Jahren in den Weltraum geflüchtet, bewegen sich nur noch auf Luftkissensesseln fort und verfetten zusehends. Aufforderung zum Essen und Trinken überall, alles natürlich aus Plastikbechern, und jegliche gesellschaftliche Tätigkeit findet nur noch virtuell statt. *schluck*
Das ist leider gar nicht so weit weg von der Wahrheit. Kleine Kinder verstehen das natürlich nicht und erst recht für die ganz Kleinen find ich den Film auch zu traurig/gruselig, weswegen ich die FSK (ab 0 Jahren) mal wieder nicht nachvollziehen kann.
TROTZDEM: Für uns mehr oder weniger Erwachsene ist der Film ein großartiger Denkanstoß.
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Ich sollte vielleicht vorwegnehmen, dass ich erst seit relativ kurzer Zeit Animationsfilmen aus dem Computer wirklich offen gegenüber- stehe. Doch nach einigen Nachhilfestunden (vielen Dank, Matthia & Nils) und dem wunderbaren Erlebnis, Findet Nemo mit meiner kleinen Nichte anzusehen, hat sich meine Sicht auf solche Filme vollkommen verändert. Findet Nemo ist ein außergewöhnlich schönes Meisterwerk filmischer Erzählkunst — wen kümmert es da, dass die Figuren allesamt aus dem Rechner stammen? Mich jedenfalls nicht (mehr).
Insofern war ich schon vor einigen Monaten, als ich den ersten Teaser für WALL•E im Internet bestaunen konnte, völlig begeistert und freute mich auf den Film wie auf kaum einen anderen dieses Jahr. Und tatsächlich: Ich wurde in keinster Weise enttäuscht. WALL•E ist ein wirklich wunderschöner, herzerwärmender Film, der mich in gewisser Weise daran erinnert hat, wie es ist, einen Film mit den Augen eines Kindes wahrzunehmen. Ich denke, gerade die wunderbar simple Erzählstruktur aber auch das herrlich auf die Darstellung von Emotionen reduzierte Design der Figuren (man beachte beispielsweise WALL•Es übergroße Augen) sind dafür verantwortlich. WALL•Es wiederholter Versuch, Eves Hand zu berühren, ist ein weiteres wortloses Mittel, das den Film an vielen Stellen universell verständlich macht. In dieser Darstellung erinnern die beiden Roboter gar an kleine, schüchterne Kinder. Darüber hinaus war das einfach nur süüüüß.
Was mich an dem Film jedoch am meisten verzaubert hat, sind die Szenen, die zeigen, wie WALL•E sich bemüht, Eeee-waas Aufmerksamkeit zu erhaschen. So einfach diese Szenen auch dargestellt werden, so unverblümt ist doch die Wahrheit, die in ihnen zum Ausdruck kommt. Wenn WALL•E der begehrten Roboter-Dame mit seinen verträumten Augen nachschmachtet, erweckt dies die wunderbar süße Erinnerung daran, verliebt zu sein. Insofern stellen diese auch meine Lieblingsszenen dar. Nicht zu vergessen ist dabei der Moment, als die beiden Roboter im All schwebend aufeinander treffen und sich küssen. Niedlich.
Hervorheben möchte ich außerdem den stimmigen Soundtrack und die außergewöhnliche Detailhaltigkeit des Filmes. Die Künstler bei Pixar haben eine Welt erschaffen, die voller kleiner Einzelheiten im Hintergrund steckt: Neben dem beeindruckenden Innenleben der riesigen Axiom ist das vor allem WALL•Es vor popkulturellen Querverweisen nur so strotzende Kuriositätensammlung.
Vergessen werden darf aber auch nicht die dem Film zugrunde liegende, wichtige Botschaft: Wenn wir als Kultur weiter in dem Maß der Verschwendung nachgehen, wie wir es jetzt tun, zerstören wir den einzigen Planeten, den wir haben. Bei genauer Betrachtung der Menschheit in WALL•E, stellt sich allerdings die Frage, ob wir als Gesellschaft nicht schon längst dort angekommen sind, wo WALL•E mit der überspitzten Darstellung anfängt …